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Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3 – Neuer Test 2022 – Welcher Blutzucker-Sensor ist der Beste?

Dexcom G7 und Abbott Freestyle Libre 3 – Eine neue Generation an kontinuierlichen Glukosemessgeräten ist auf dem Markt. Doch was können sie? Welcher ist besser? Ich habe mir beide genauer angesehen. Hier findet ihr meine Bewertung in 7 Kategorien.

Egal ob Eversense, Medtronic, Dexcom oder Freestyle Libre – die kontinuierlichen Glukosemessgeräte (CGM, Continuous Glucose Monitoring) sind inzwischen bei fast jedem und jeder Typ-1-Diabetiker:in angekommen. Dank der dezenten Geräte haben wir Diabetiker:innen unsere Blutzuckerwerte immer im Blick. In den Finger pricken und einen Tropfen Blut in ein Messgerät geben – also „blutig messen“ – ist nur noch im Ausnahmefall nötig. Nach zwei Jahren guter Erfahrungen mit dem Dexcom G6 war es für mich Zeit für einen Wechsel. Da stellt sich die Frage, welcher der neuen CGMs soll es sein: Der Freestyle Libre 3 oder der Dexcom G7?

Ich habe beide Systeme genauer angesehen und sie auf Herz und Nieren geteprüft. Im Alltag, beim Sport, beim Schlafen und bei der Arbeit sind die Messgeräte bei mir. Am Ende ist meine Entscheidung zwischen Dexcom G7 und Freestyle Libre 3 aber klar. Das Ergebnis findet ihr unten. Aber schauen wir uns erst einmal die Basics an.

Inhalt:

Warum überhaupt ein kontinuierliches Glucosemessgerät (CGM)?

Sowohl Freestyle Libre 3 oder Dexcom G7 sind beide eine enorme Erleichterung für das Diabetesmanagement für jeden Menschen mit Typ-1 Diabetes. Die Geräte werden durch ein einfaches Gerät auf und in die Haut gesetzt. Das heißt, dass du ein kleines Plastikgerät auf deinen Arm drückst,  dann einen Knopf und Zack! hast du einen Sensor am Arm, der dir zu jeder Zeit deinen Blutzucker verrät. Auf der Haut siehst du einen kleinen Plastikknopf, unter der Haut ist ein kleiner Metallfaden, der dank modernster Technik deinen Blutzucker in deiner Gewebeflüssigkeit erkennt. Der Sensor hängt also nicht in deiner Blutbahn, sondern nur ein bisschen unter der Haut. Ein Wunder der Technik. Das erspart uns Diabetiker:innen uns ständig “blutig” zu messen, also mit einem Messgerät, für das man sich einmal in den Finger pricken muss, um einen Tropfen Blut auf einen Messstreifen zu füllen. Da ist ein CGM, egal ob jetzt von Freestyle oder von Dexcom, deutlich bequemer.

Was kann die neueste CGM-Generation von Dexcom und Freestyle Libre?

Von den beiden neuen CGMs hat seit meinem letzten der Test Freestyle Libre 3 den größeren Sprung gemacht. Sein Vorgänger mit der Nummer 2 war noch kein echtes “kontinuierliches” Glukosemessgerät. Denn jedes Mal, wenn man einen Wert auslesen wollte, musste man das Smartphone oder ein Lesegerät an den Sensor halten. Mit dem Freestyle Libre 3 ist das nun nicht mehr nötig: Dank Bluetooth landen die Blutzuckerwerte kontinuierlich auf dem Smartphone.

Dieses Feature hatte der Dexcom schon lange. Auch die Vorgängermodelle von Dexcom G7 lieferten kontinuierlich Werte an das Smartphone. Was den Dexcom G7 vom G6 vor allem unterscheidet sind gleich mehrere Dinge:

  1. Der Sensor ist deutlich kleiner und besteht nicht mehr aus zwei Teilen
  2. Die Aufwärmphase (die Zeit zwischen Sensor setzen und Werte erhalten) wurde von 2 Stunden auf unter 30 Minuten verkürzt.
  3. Alarme können noch feiner angepasst werden und auch komplett stumm geschaltet werden

Es gibt noch weitere Unterschiede, aber dazu später mehr. Das sind meiner Meinung nach die Änderungen, die den größten Unterschied beim Freestyle Libre 3 bzw. dem Dexcom G7 zu ihren Vorgängern machen.

Wie habe ich den Dexcom G7 und den Freestyle Libre 3 getestet?

Für diesen Test habe ich beide Sensoren für eine gesamte Sensor-Laufzeit (also 10 Tage beim G7 und 14 Tage beim Libre 3) getragen. In dieser Zeit haben mich die CGMs in meinem Alltag begleitet: Beim Arbeiten, im Fitness-Studio, beim Laufen, beim Essen gehen und so weiter und so fort. Ich habe sie an ähnlichen Stellen angebracht (am Oberarm), aber ich habe sie nicht gleichzeitig getragen. Meine Erfahrung aus der Zeit habe ich dir hier zusammengefasst.

Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3: Der CGM-Test in 7 Kategorien

Kategorie 1: Wie sehen Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3 denn so aus?

Ist es nicht Wahnsinn, wie weit die Technik heutzutage ist? Beide Sensoren sind winzig. Der Dexcom G7 ist kleiner als ein 2-Euro-Stück, der Freestyle Libre 3 ist sogar noch kleiner (siehe Bilder zum Vergleich). Die Sensoren sind so klein, dass sie sich nicht mehr unter der Kleidung abzeichnen. Mehrfach ist es mir passiert, dass ich vergessen habe, wo ich gerade einen Sensor trage. Der Vorgänger vom Freestyle Libre 3 war schon sehr klein und flach, aber gerade der Vergleich zwischen dem Dexcom G7 und dem G6 ist enorm.

Beim Dexcom G6 bestand der Sensor aus zwei Teilen: Einem Sensor, der wie oben beschrieben auf und unter die Haut gesetzt wurde, und einem Transmitter, der für die Verbindung zum Smartphone zuständig war und in einen Plastikrahmen auf dem Sensor eingerastet werden musste. Damit war der gesamte Sensor deutlich größer als der Dexcom G7. Dieser besteht jetzt nur noch aus einem Teil, der beide Komponenten vereint und dabei aber viel kleiner ist als sein Vorgänger.

Während also bei meinem letzten Test der Freestyle Libre 2 in Sachen Aussehen die Nase vorn hatte, ist jetzt der Unterschied zwischen  dem Freestyle Libre 3 und dem Dexcom G7 zu vernachlässigen. Beide Sensoren sind nur noch ein unauffälliger flacher Knopf.

Freestyle Libre 3 oder Dexcom G7: Dexcom G7 im Größenvergleich mit einem 2 Euro Stück
Dexcom G7 im Vergleich mit einer Münze

Kategorie 2: Wie einfach lassen sich der Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3 setzen?

Tatsächlich gibt es auch in dieser Kategorie kaum Unterschiede. Beide Sensor-Setzgeräte sehen fast gleich aus. Es sind kleine runde Plastikkisten, die einen Mechanismus beinhalten, die den Sensorfaden unter die Haut schießen und gleichzeitig den Rest des Sensors auf die Haut kleben. Beim Freestyle Libre 3 passiert das, indem Druck auf die Kiste ausgeübt werden muss, bis der Mechanismus auslöst. Beim Dexcom G7 drückt man einen Knopf, um das Setzgerät in Bewegung zu setzen. Einen großen Unterschied macht es für mich nicht.  Beim Dexcom G7 bleibt der Überraschungseffekt aus: Wann genau der Druck erreicht ist, der den Mechanismus auslöst, weiß man beim Freestyle Libre 3 nicht. Einen Knopf zu drücken, ist da ein bisschen einfacher.

Bei beiden CGMs wird das Setzen des Sensors ganz einfach in der App Schritt für Schritt mit anschaulichen Bildern erklärt. So ist es wirklich simpel einen neuen Sensor anzubringen.

Kategorie 3: Wie ist der Tragekomfort von Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3?

Die winzigen Sensoren der beiden CGMs sind im Alltag kaum spürbar. Das ist schon einmal ein riesiger Vorteil. Sowohl der Dexcom G7 als auch der Freestyle Libre 3 sind so klein und flach, dass es fast unmöglich ist, an irgendetwas hängen zu bleiben. Nur beim Ausziehen eines T-Shirts habe ich hin und wieder gemerkt, dass der Stoff am Sensor zieht. Gelöst hat sich aber nie etwas.

Was ich jedoch feststellen musste: Der Freestyle Libre 3 ist sehr fest mit der Haut verklebt. Das kann natürlich ein Vorteil sein, weil er sich nicht so schnell löst. Für mich heißt das jedoch, dass beim Abziehen des Sensors am Ende der Laufzeit auch ein wenig Haut mit abging. Das ist unangenehm und hinterließ eine zwar kleine, aber offene Wunde am Arm. Nicht so schön.

Beim Dexcom G7 hatte ich das Problem nicht. Zum Ende der Laufzeit war schon zu beobachten, dass der Kleber etwas nachließ. An den Kanten des Pflaster löste sich dieses schon ein wenig von der Haut. So konnte ich den Sensor bequem abziehen. Wer jetzt denkt: “Aber dann könnte ich ja den Sensor verlieren!”, dem sage ich: Kein Problem. Dexcom liefert beim G7 noch einen sogenannten Overpatch mit. Das ist ein Pflaster, welches man zur Befestigung über den Sensor anbringen kann. Wenn du also besonders sportlich aktiv bist, es gerade Sommer ist und du viel schwitzt, oder du einfach dazu neigst, deinen Sensor abzureißen, dann ist der Overpatch eine gute Lösung für dich.

Kategorie 4: Wie gut sind der Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3 für den Sport geeignet?

An dieser Stelle muss ich einen Vorteil vom Dexcom G7 erwähnen, der für den Sport unfassbar wertvoll ist: Die Blutzuckerwerte können nicht nur auf dem Smartphone angezeigt werden, sondern auch auf einer Smartwatch. Zwar musst du dein Smartphone immer dabei haben, weil der Sensor nur mit deinem Smartphone kommuniziert, aber die Werte werden eben auch auf der Smartwatch gespiegelt. Warum ist das wichtig?

Wenn du so wie ich gerne und viel läufst, oder wenn du vielleicht viel Fahrrad fährst oder im Fitness-Studio Cardio-Kurse besuchst, dann ist diese Funktion Gold wert. Dann willst du nämlich nicht ständig dein Smartphone aus deiner Hose oder aus einer Tasche herumfummeln, es entsperren und dann die App öffnen, um deine Werte zu sehen. Beim Dexcom G7 hast du den Wert einfach auf der Smartwatch. Ein Fingertipp genügt und du siehst deinen Wert. Beim Freestyle Libre 3 kommst du nicht darum herum, dein Smartphone in die Hand zu nehmen.

Dazu sei aber gesagt, dass der G7 hier noch ein paar “Kinderkrankheiten” hat. Beim Dexcom G6 war die Verbindung zur Smartwatch deutlich reibungsloser. Beim G7 kommt es immer wieder mal vor, dass Werte länger laden müssen oder die App auf der Smartwatch neu gestartet werden muss. Ich hoffe sehr, dass Dexcom diese Fehler schnell behebt.

Ansonsten kommen beide CGM gut mit schwitziger Haut klar. Auch stört es nicht, wenn du den Muskel trainierst, auf dem dein Sensor sitzt.

Kategorie 5: Wie genau sind die Werte von Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3?

Es kommt natürlich darauf an, dass hier bei einem CGM keine Fehler passieren. Die Genauigkeit der Werte ist entscheidend. Sowohl beim Dexcom G7 und beim Freestyle Libre 3 waren die Werte insgesamt sehr, sehr genau. Immer wenn ich zwischendurch einmal blutig nachgemessen habe, waren die Werte nie weit voneinander entfernt.

In den ersten 24 Stunden habe ich aber festgestellt, dass hier sowohl der Dexcom G7 als auch der Freestyle Libre 3 noch so ihre Problemchen haben. In dieser Zeit weichen die Werte zum Teil doch stärker ab oder springen ein wenig herum. Der Dexcom G7 hat hier einen Vorteil: Er lässt sich kalibrieren. Das bedeutet Folgendes: Wenn du das Gefühl hast, dass deine Werte dauerhaft von deinen blutig gemessenen Werten abweichen, kannst du den Dexcom G7 einstellen. Dazu misst du blutig und gibst dann auf deinem Smartphone in der Dexcom-App den gemessenen Wert ein. Der Sensor passt sich dementsprechend an. Beim Freestyle Libre 3 geht das nicht. Wenn da einmal mit den gemessenen Werten etwas nicht stimmt, kannst du nur hoffen, dass sich das Gerät wieder fängt oder du musst ihn wechseln.

Kategorie 6: Wie ist die Handhabung von Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3 am Smartphone?

Was beim  Freestyle Libre 3 auf dem Smartphone direkt auffällt: Die App sieht veraltet aus. Die Farben, die Nutzeroberfläche, die Führung durch die Menüs – alles wirkt, als wäre die App zehn Jahre alt. Beim Dexcom G7 hingegen wurde das Erscheinungsbild der App noch einmal überarbeitet. Alles wirkt hell und auf dem Stand der Technik. Die Nutzerführung durch die verschiedenen Menüs wirkt auch hier etwas komplex und unintuitiv. Was für mich aber der wirklich größte Unterschied ist, ist der Graph der Blutzuckerwerte.

Bei beiden Apps steht diese Grafik klar im Mittelpunkt. Sie zeigt das Rauf und Runter der Blutzuckerwerte über die Zeit. Und hier fangen auch schon die Unterschiede an. Beim Freestyle Libre 3 ist dieser Graph fix. Weder die Zeit-Skala noch die Skala für die Blutzuckerwerte ist anpassbar (also weder X-Achse noch Y-Achse).

Das hat ein Problem zur Folge: Die Berg- und Talfahrt der Messwerte wirkt sehr drastisch. Fällt ein Wert innerhalb einer Stunde von 150 mg/dl auf 90 mg/dl, sieht das beim Freestyle Libre 3 wie ein steiler Abfall aus. Insbesondere liegt das daran, dass die Zeitachse immer auf 24 Stunden eingestellt ist. Das ist an sich nur eine Frage der Gewohnheit, führt aber meiner Meinung nach dazu, den Effekt eines Bolus oder den Fall der Werte zu überschätzen.

Beim Dexcom G7 kannst du den Graphen, der deine Blutzuckerwerte darstellt, anpassen. So kannst du einstellen, ob der Graph die Werte der letzten 3, 6, 12 oder 24 Stunden anzeigen soll. Der Freestyle Libre 3 zeigt hingegen immer die letzten 12 Stunden an. Der Unterschied ist, dass du in einem kürzeren Zeitraum viel besser erkennen kannst, wie sich der Blutzuckerwert entwickelt. Der Graph ist nicht verzerrt, sondern es ist klar, ob sie der Wert gerade auf einer geraden Linie bewegt. Gerade beim Ausdauersport, bei dem ich meine Blutzuckerwerte sehr genau im Blick haben möchte, habe ich beim Dexcom G7 so eine viel bessere Übersicht.

Was an dieser Stelle aber unbedingt erwähnen muss, ist die Batterienutzung! Der Stromverbrauch des Dexcom G7 ist riesig. Wie ein Staubsauger schnorchelt die App Kapazität aus dem Akku. Bis zu 40 Prozent meiner Batterienutzung gehen bei meinem iPhone 13 mini auf den G7 zurück. Da ist der Freestyle Libre 3 deutlich genügsamer.

Kategorie 7: Wie genau lassen sich die Alarme beim Freestyle Libre 3 oder Dexcom G7 einstellen?

Wir Typ-1er tragen die CGMs auch, weil sie uns warnen, wenn es kritisch wird. Für viele von uns sind Dexcom, Libre, oder was auch immer ein Frühwarnsystem für zu hohe oder zu niedrige Zuckerwerte. Beim Freestyle Libre 3 sind die Einstellungsmöglichkeiten begrenzt. Eine obere und untere Grenze kann für den Alarm eingestellt werden. Auch können alle Alarme ausgeschaltet werden. Töne lassen sich nicht einstellen.

Der Dexcom G6 bietet da mehr Möglichkeiten. Es können Ober- und Untergrenzen für den Alarm eingestellt werden, außerdem warnt der Dexcom G7 bei Bedarf auch vor bald niedrigen Werten oder auch schnell steigenden oder fallenden Blutzuckerbewegungen. Darüber hinaus lassen sich auch “Alarmpläne” festlegen. Ich habe zum Beispiel einen Alarmplan für die Nacht, bei dem ich den Abstand, in dem sich die Alarme nach dem ersten Piepen wiederholen, angepasst habe. Auch hier können Alarme komplett stumm oder “nur vibration” eingestellt werden. Wenn das “Piepen” stört: Der Dexcom G7 bietet eine ganze Reihe unterschiedlicher Alarmtöne von nervigen Weckerklingeln bis zu Babyschreien.

Fazit: Für welches CGM habe ich mich entschieden? Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3?

Trommelwirbel! Für welches Blutzuckermessgerät habe ich mich entschieden? Dexcom G7 oder Freestyle Libre 3?

Der Gewinner ist für mich der Dexcom G7. Ausschlaggebend sind zum einen die besser ablesbaren Werte, durch die Anpassung des Zeitraums in der App-Anzeige, zum anderen die Kompatibilität mit meiner Apple-Watch. Da ich wirklich sehr viel Laufe und sportlich aktiv bin, ist das für mich sehr wertvoll. Über die Kinderkrankheiten des G7 kann ich dabei hinwegsehen.

Der Freestyle Libre 3 ist zwar auch hübsch klein und einfach in der Handhabung. Für mich bietet das System aber einfach zu wenig Einstellungsmöglichkeiten. Der Graph ist schlecht ablesbar und es gibt keine Möglichkeit den Sensor zu kalibrieren, wenn die Werte doch einmal nicht stimmen.

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